Jazz-Kalender
12.11.19 18:02:51|Besucher online: 471|Konzerte:494|gerade gesucht: Jürgen Herrmann
Formelwesen

Formelwesen

Die Berliner Band Formelwesen vereint nicht nur ungewöhnliche musikalische Elemente zu einem Experimentaljazzkunstwerk, sondern bringt zudem mit Schauspielkunst und Visual Art eine ganz besondere Art der Unterhaltung und Kultur auf die Bühne.

Flagge englisch Formelwesen

Um die Evolution des Formelwesens zu erforschen bedarf es Geduld, denn obwohl sich eben dieses nicht gerade rar macht, bekommt man es kaum zu fassen. Ist man ihm auf der Spur, hüpft es schon wieder davon. "Das Formelwesen kann alles sein", sinniert Saxophonist Milian Vogel, "es ist eine musikalische Amöbe". "Eine Amöbe, die einen Schleier trägt. ", Drummer Ketan Bhatti spinnt den Faden weiter. "Wenn dieser Schleier fällt und man eigentlich eine wunderschöne Frau erwartet, springt einen eine riesige Zunge an. " Mit der Zeit jedoch nimmt das Formelwesen immer mehr Gestalt an, es bekommt ein Gesicht und einen Namen: Wigfried. Dieser hat seinen ganz eigenen Lebensrhythmus, immer bestimmt von der Musik der vier InstrumentalWesenschaftler.

Unermüdlich artikuliert die Band ihre musikalischen Metamorphosen durch Experimental Rock und Breakcore hindurch, schrammt den Hip Hop und pimpt den Jazz, ohne in ihren Kompositionen und allerkorrektesten Improvisationen die alles strukturierende Formel aus den Ohren zu verlieren – die knarzende, hinkende Seele ihres eigentümlichen Wesens. Was Sampling und Editing dabei im Studio möglich machen, wird live mithilfe von Loop- und Effekt-Geräten performt – sie machen es schwierig zu hören, woher welcher Satz kommt, wer wem den Faden zuspielt, und wohin dieser führt. Dazu bieten Live Visuals einen starken Kontrast zur beeindruckenden Bühnenpräsenz der Musiker.

Mit Formelwesen vereinen sich sehr verschiedene Charaktere, die jeder für sich bereits mit anderen Projekten sehr erfolgreich sind. Und genau dies bestimmt die Einzigartigkeit dieser Band. Gitarrist Nikolas Tillmann beschreibt es treffend: "Wir alle haben unterschiedliche Backgrounds und daraus entsteht eine Stilvielfalt, die nicht immer so gewollt ist, aber gerade dadurch überraschend geil sein kann". Die Bestätigung bekommen die Jungs nicht nur von ihrem Publikum, auch der Berliner Senat und die Initiative Musik bescheinigen den Teilnehmern des "Popcamps" durch ihre Förderung musikalische Spitzenleistung in Europa.

Produziert wurde das Debut-Album der Berliner von Kai Mäder und Frank Möbus, den musikalischen Masterminds und Trendscouts von FWL Records. Möbus, der mit seinem eigenen Projekt Der Rote Bereich bereits seit Anfang der 1990er unter allen Jazzkennern national und international bekannt ist, beschreibt seine Beweggründe zur Produktion von Formelwesen folgendermaßen: "Konzerte dieser hervorragend gepolten Band, die ihre Musik in äußerst impulsiver Art zelebriert, erlebe ich stets mit großem Genuss, weil immer wieder eine erfreuliche Frische in den kompositorischen und nicht zuletzt spielerischen Entscheidungen aufblitzt. Diese Art von Frische ist aus meiner Sicht eine Voraussetzung für das Erreichen tatsächlicher künstlerischer Relevanz. "

Ende 2008 traten der Animationsfilmer Nicolas de Leval Jezierski und der Regisseur Geis auf den Plan um die Frage zu beantworten, wie so ein Formelwesen eigentlich aussieht. Seitdem kann man es filmisch einfangen und auf der Bühne, seiner natürlichen Umgebung, beobachten. Ein weiteres Ergebnis dieser Kooperation ist der bereits im Juni 2009 erschienene Videoclip zum Song 'Diggin Demons' und die gleichnamige DVD.

Das Formelwesen wird zum Leben erweckt von:

Milian Vogel – Bassklarinette, Saxophon

Nikolas Tillmann – Gitarre

Hannes Hüfken – E-Bass

Ketan Bhatti – Schlagzeug

Nicolas de Leval Jezierski und

Michael "Geis" Geithner - Visuals