Jazz-Kalender
15.07.19 20:33:31|Besucher online: 394|Konzerte:822|gerade gesucht: HEDDY BOUBAKER
DEJAN TERZIC UNDERGROUND

DEJAN TERZIC UNDERGROUND

Paolo Fresu tp, Matthias Erlewein sax, Frank Möbus g, Henning Sieverts b, vc, Dejan Terzic dr

Flagge englisch DEJAN TERZIC UNDERGROUND

Paolo Fresu tp, Matthias Erlewein sax, Frank Möbus g, Henning Sieverts b, vc, Dejan Terzic dr

Zurück in die Zukunft: Sunday Night auf dem Balkan

Pünktlich zum Festival hat der Nürnberger Schlagzeuger Dejan Terzic einen schon länger angedachten Plan verwirklicht und seine eigene "Balkan"-Band aus der Taufe gehoben. Die populäre Musik aus Emir Kusturicas Kult-Fim "Underground" (1995) fungiert dabei als Namensgeber und Inspirationsquelle für den 31-jährigen Leader des Sunday Night Orchestra. Denn "mit diesem Film ging ja die ganze Balkan-Welle los", weiß der gebürtige Jugoslawe. Aus dem richtungsweisenden Soundtrack hat Terzic z.B. den "Underground"-Tango neu arrangiert. Folgt man Dejan Terzic, dann "kommen die traurigsten Melodien eh vom Balkan."

Der Nürnberger Kulturförderstipendiat lässt keinen Zweifel daran, dass sein Projekt amerikanischen Vorgängern wie "Pachora" oder Dave Douglas' "Charms of the Night Sky" etwas Wesentliches voraus hat. "Ich komme nämlich vom Balkan", betont Terzic. Schnell parat hat er deshalb die Unterschiede zu diesen beiden namhaften Formationen: "Pachora haben einen traditionelleren Ansatz und spielen zudem auch griechische, türkische und bulgarische Musik." Ganz traditionelle Musik mag Terzic eben nicht spielen: "Wir sind ja gestandene Jazz-Musiker, deshalb wollen wir die Folklore nicht einfach bestmöglich nachspielen, sondern mit dem Vokabular zeitgenössischer improvisierter Musik neu interpretieren." Und ergänzt: "Für uns alle ist dieses Projekt Neuland". Für Terzic als Jugoslawe auf eine sehr spezielle Weise. Er lässt sich erneut auf eine Auseinandersetzung mit seiner Geburtsstätte ein.

Mit dabei auf Terzics Zurück-in-die Zukunft-Trip ist auch der Kölner Saxophonist und Klarinettist Matthias Erlewein. Der gewann bereits 1996 mit der Gruppe "Dreiklang" den 1. Preis des renommierten "Blue Note"-Wettbewerbs. "Wenn ich Matthias eine kitschige Melodie vorlege, weiß der sofort, wie er damit umgehen soll", charakterisiert Terzic seinen wendigen Saxophonisten.

Bass bei "Underground" spielt der vielseitige Münchner Bassist Henning Sieverts und die Gitarre traktiert auf seine ureigene, skurrile bis exzentrische Weise der Nürnberger Kulturförderpreisträger Frank Möbus ("Der rote Bereich").

An Trompete und Flügelhorn schließlich ist einer der momentan gefragtesten Jazzmusiker Italiens zu hören: Der Sarde Paolo Fresu. Der ist ebenfalls ein ausgewiesener Spezialist für jazzige Folklore-Adaptionen. So modernisierte Fresu die traditionelle Banda-Musik kürzlich mit seinem Projekt "Sonos 'E Memoria" auf ähnliche phantasievolle Weise, wie das Dejan Terzic nun mit Liedern und Tänzen vom Balkan anvisiert.