Jazz-Kalender
10.12.18 09:12:36|Besucher online: 659|Konzerte:656|gerade gesucht: Reut Regev

ULMAN

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Homepage: ULMAN.info

world beats & ethno groove

Flagge englisch Flagge englisch ULMAN

Sie waren jung, ein wenig nassforsch und überzeugt von ihrer Sendung: Unbekümmert traten sie um die Mitte der

90er an, den Begriff Weltmusik neu zu definieren. Heute, 12 Jahre, drei Alben, ein Dutzend einschlägiger Preise und

Tausende Konzerte später, hat ihr missionarisches Wirken überall Wurzeln geschlagen. Sie selbst sind noch immer

mit Feuereifer und Heiden-Spaß bei der Sache.

Anfangs galten sie als die Wunderknaben des Folk. Ihr erstes Album "Acoustic Power" mischte 1996 die seinerzeit

leicht verschnarchte Szene gründlich auf, die frische Brise ihres Crossovers aus verschiedensten Stilen und Epochen

zeitigte Begeisterung und ein wenig Verstörung.

In den folgenden 10 Jahren sind sie im Land und auf dem Kontinent weidlich herum gekommen und haben die Ohren

dabei weit aufgesperrt. Sie haben sich an den Instrumenten vervollkommnet, sind reifer geworden, ohne ihre Spontaneität

dabei verloren zu haben.

Das zweite Album "Vibes" legte vor zwei Jahren eindrucksvoll Zeugnis von dieser Entwicklung ab. Auf eindringliche

Bitte der Fanschar warten sie mit dem dritten Streich nicht wieder ein volles Jahrzehnt: Er steht unmittelbar vor der

Tür.

An Ideen hat es den fabelhaften Vier ohnehin nie gemangelt. Ihr musikalischer Ansatz ist dabei unverändert geblieben.

Das darf er auch, denn ihre zuverlässige Konstante ist die ständige Überraschung, ihr inhaltlicher Rahmen das immer

neue Fallen aus eben demselben.

Die Musik ist ein kreatives Spiel mit Einflüssen aus allen Regionen, Kulturen und Zeitaltern, oft gewagt in der Mischung,

aber nie ohne Respekt vor den Ursprüngen.

Ein wesentliches Markenzeichen der Familienband (e) ist ihr unverwechselbares Instrumentarium. Vor allem, wie virtuos

sie es beherrschen und was sie für Klänge daraus zaubern. Sie scratchen HipHop auf der Drehleier, erzeugen

TripHop-Beats mit dem diatonischen Akkordeon, hardrocken mit der Posaune. Neben Bratsche und Violine liegt

immer das Powerbook vom Rechnerbauer mit dem Apfel für Flächen, Samples und Loops. Auch, wenn es mal in

Richtung Drum 'n' Bass gehen soll. Obwohl sie verwirrend flirrende Rhythmik auch von Hand aus dem eigenen breiten

Percussion-Set herausholen können. Zur Erzeugung noch höheren Drucks sind sie seit einiger Zeit mit einem "richtigen"

Schlagzeug unterwegs.

Und so oszilliert das akustische Geschehen locker vom Mediävalklang zum Clubsound, vom Jazz zum Rock, vom

exotischen Ethno zu eingängigem Pop. Manchmal alles in einem Stück. Das klingt vielleicht etwas verwirrend und

kompliziert, ist es aber nicht. Tatsächlich ist das große Kunst – doch es klingt Gott sei dank nicht danach:

Ihre Lieder sind kompakt und griffig. Sie stecken voller phantasievoll-quirliger Musikalität, aber sie sind immer auf den

Punkt gespielt. ULMAN kommen vor allem live lockerleicht, frisch und improvisatorisch über die Rampe – die eigentliche

Songidee gerät dabei aber nie außer Hörweite. Musik zum Tanzen und Zuhören in einem, am besten vielleicht

für jene, die beides gleichzeitig können.

Mit ihren World Beats und Ethno Grooves dürfen sich ULMAN zu den wichtigsten Vorreitern der Umwälzung in der

Weltmusik-Szene im vergangenen Jahrzehnt zählen.

Doch darum scheren sie sich wenig.

Wichtig ist das seelentiefe Feeling, der zwingende Rhythmus, die bleibende Melodie und das erforderliche Quantum

Überraschung.

Von all dem haben ULMAN überreichlich zu bieten.

Discographie:

"Acoustic Power" (1996) LZ 2122

"Vibes" (2006) HD 20065

"electrokustica" (2009) WP 87174

Band:

Till Uhlmann Drehleier, Geige, Gesang, Samples

Johannes Uhlmann Diatonisches Akkordeon, Bratsche, Gesang

Demian Kappenstein Schlagzeug, Percussion

Andreas Uhlmann Posaune, Flöten, Gesang, Samples