Jazz-Kalender
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Total Music Meeting

Total Music Meeting

10001 Berlin

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Flagge englisch Total Music Meeting

Grußwort der Schirmherrin Nele Hertling Vizepräsidentin der Akademie der Künste 40 Jahre Total Music Meeting Ein Festival, das sein 40 jähriges Jubiläum feiern kann, ist nicht häufig zu finden, noch dazu ein Festival für zeitgenössische improvisierte Musik, eine eher fragile Kunstform, die kein konsumgeprägtes Massenpublikum anziehen kann. In diesem Jahr wird sehr viel und kontrovers über die Ereignisse und Folgen des Jahres 1968 diskutiert und gestritten. Auch die Anfänge des Total Music Meeting gehen auf diese Aufbruchzeit zurück und sind von deren Spannungen und Möglichkeiten geprägt. Mitte der 60er Jahre gewannen die europäischen Jazzmusiker an Profil, ihre Musik wurde hörbar. Mit dem wachsenden Interesse an dieser Kunstform wurden neue Präsentationsformen und die Erschließung neuer Räume notwendig. 1968 produzierte Peter Brötzmann seine 2. Platte 'Machine Gun' im Eigenverlag, in Berlin fand das erste Total Music Meeting statt. Für die Eröffnung einer Ausstellung "Junge Generation Großbritannien" war das Londoner 'Spontaneous Music Ensemble', dem u.a. John Stevens, Evan Parker und Dave Holland angehörten, in die Akademie der Künste Berlin eingeladen worden. "Nun ist Free Jazz nicht jedermanns Geschmack, deshalb war das Häufchen der Bewunderer im Auditorium der Akademie nicht sehr groß", schrieb der Tagesspiegel. Doch diese Begegnung führte zu Kontakten mit Jazzmusikern aus Berlin und zur Verabredung gemeinsamer Projekte - zunächst zu den 'Three Nights of Living Music and Minimal Art' 1969, bei denen die Auftritte der Musiker innerhalb der Ausstellung 'Minimal Art' in den Ausstellungshallen der Akademie stattfinden sollten. Doch dieser Versuch endete mit einem Eklat, das Publikum in diesen spannungsgeladenen Zeiten wollte sich nicht mit seiner passiven Rolle begnügen, die ausgestellten Kunstwerke wurden schnell zu Objekten, mit denen Krach erzeugt werden konnte, in falsch verstandener Freiheit wurde die Zerstörung von Kunstwerken als Protest gegen eine individuelle Einschränkung und einen institutionellen Zwang behauptet. Doch dieser Schock konnte schnell bewältigt werden und bereits 1970 gab es in den Ausstellungshallen der Akademie der Künste den ersten Osterworkshop der Freien Musik, der eine Tradition begründete und ein wachsendes Publikum gewinnen konnte. In den folgenden Jahren wurden zwischen Akademie und der FMP weitere neue Veranstaltungsformen erprobt, so auch die Begegnungen zwischen Musikern und Kindern in Schulen oder in den Räumen der Akademie. Im Frühjahr 1970 konnten im Rahmen des Projektes 'Berlin Now' die Duos Brötzmann /Bennink und Schlippenbach/Johansson zu Galeriekonzerten nach New York geschickt werden. Es war eine Grundlage entstanden, auf der die Künstler selber, das Kollektiv von Musikern, ihre Programme frei entwickeln und kompromisslos neue Ideen erproben und wachsen lassen konnten. Doch mit den gesellschaftspolitischen, den institutionellen, den persönlichen oder auch ästhetischen Veränderungen der folgenden Jahre hatte dieses Modell keinen Bestand. Die Workshopveranstaltungen, die zu immer mit Spannung erwarteten Begegnungen mit den wichtigsten Musikern aus vielen Ländern geworden waren, konnten so nicht fortgesetzt werden. Das Festival Total Music Meeting war zu einer Parallele und entscheidenden Ergänzung des Berliner Jazzfestes geworden und konnte in grösserem Rahmen die eigenständige Programmgestaltung der Künstler weiterführen. Das Jazzfest selbst hat sicher wichtige Impulse übernommen, Musiker aus der Free Jazz Szene erschienen immer häufiger auch in den offiziellen Programmen. Doch auch hier führten strukturelle Veränderungen und eine einschneidende Änderung der Finanzierungsgrundlage in den letzten neun Jahren zu immer grösseren Existenzproblemen für das Total Music Meeting. Die sich ständig verändernde improvisierte Musik braucht eine kulturpolitische und finanzielle Basis, um ihre grossartigen Möglichkeiten entfalten zu können und um sich gegenüber den etablierten 'events' behaupten zu können. Ständige Selbstausbeutung der Künstler und Organisatoren kann nicht die Lösung sein. Es ist bewundernswert, dass immer wieder, und auch in diesem vierzigsten Jahr, ein spannungsreiches Programm sein Publikum einlädt, den Musikern zuzuhören - darunter auch Künstler, die schon in den ersten Jahren in Berlin dabei waren und noch heute die Kraft und Ausstrahlung haben, um die Konzerte zu etwas Besonderem zu machen. Das Total Music Meeting selbst hat sich diese Fähigkeit erhalten - ihm gebührt die Gratulation verbunden mit dem Wunsch nach einer besser gesicherten Zukunft - so lange die Kraft und die Leidenschaft der Künstler eine solche Begegnung fordern. Nele Hertling, im September 2008